Geschichte des Museums: Stadt Sinsheim

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Fünf Gemälde mit Darstellungen des Kraichgaus
Dummy
Das Stadtmuseum Sinsheim im Alten Rathaus von Norden aus betrachtet
Gruppe von Kindern in Kleidung des frühen 16. Jahrhunderts neben den Weinhängen der Burg Steinsberg
Heimatforscherin Wiltrud Flothow zwischen historisch gekleideten Mitgliedern des Living-History-Vereins "Tillys Wilder Haufen zu Hilspach 1622"
Ein Ausschnitt aus einem großen Playmobil-Modell der Stadt Sinsheim um 1500, im Hintergrund das Publikum, das die Ausstellung betrachtet
Nachstellung eines Kolonialwarenladens aus dem frühen 20. Jahrhundert mit dem Bestand der Sinsheimer Filiale der Lichdi AG
Eine Mitarbeiterin des Stadtmuseums steht vor einer Vitrine und erklärt deren Inhalt vor einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen
Eine Gruppe historischer Darstellerinnen und Darsteller steht bewaffnet vor Burg Steinsberg

Ein Museum mit langer Geschichte

Die Beschäftigung mit historischen und archäologischen Themen hat in Sinsheim eine lange Tradition. Pfarrer und Dekan Karl Wilhelmi, ein Pionier der Altertumsforschung, hatte bereits 1827 mit ersten archäologischen Untersuchungen in und um Sinsheim begonnen und 1831 das „Sinsheimer Antiquarium“ gegründet. Hier diskutierte er mit der von ihm ins Leben gerufenen „Sinsheimer Gesellschaft zur Erforschung der vaterländischen Denkmale der Vorzeit“ die Ergebnisse seiner zahlreichen archäologischen Untersuchungen.

Wilhelmi hatte damit ein erstes archäologisches Museum geschaffen. Nach seinem Tod im April 1857 vermachte der Pfarrer aus Sinsheim seine Funde dem Badischen Großherzog Friedrich I., dessen 1873 gegründete „Großherzogliche Sammlung für Altertums- und Völkerkunde in Karlsruhe“ dem Badischen Landesmuseum vorausging. Wilhelmis „Antiquarium“ war von Beginn an ein integraler Bestandteil der Ausstellung und befindet sich noch heute im Karlsruher Schloss.

Neustart in der Nachkriegszeit

Im August 1946 informierte der ehemalige Heidelberger Stadtbibliothekar Georg Zink den Sinsheimer Gemeinderat darüber, dass er im Dachgeschoss des Alten Rathauses die alten Archivalien „entrümpelt und geordnet“ habe und dort ab sofort eine „Heimatgeschichtliche Sammlung“ besichtigt werden kann. Der gebürtige Wormser hatte Heidelberg zuvor aufgrund seiner unrühmlichen Rolle während der NS-Zeit u.a. als Hauptredner bei den dortigen Bücherverbrennungen verlassen müssen.

Nachdem er seine eigene Vergangenheit hinter sich ließ widmete sich Zink nun mit großem Eifer der Vergangenheit seiner neuen Heimat sowie dem Aufbau des Stadtmuseums und der Pflege seiner vielbeachteten, umfangreichen Puppensammlung. Zugleich war er an der Entstehung der „Freunde Sinsheimer Geschichte“ beteiligt, die sich im Herbst 1946 formiert hatte. Die Erlaubnis bei der amerikanischen Militärregierung, einen Verein zu gründen und das Museum offiziell betreiben zu dürfen, erlangte Zink erst ein Jahr später, am 11. September 1947.

Von da an wuchs das Stadtmuseum beharrlich und bekam bald neue Räume im sogenannten Zieglerbau in der Bahnhofstraße 2 zugewiesen. Nach einer zwischenzeitlichen Auslagerung des Museums an den Kirchplatz konnte das Stadtmuseum einen Großteil des Alten Rathauses und seiner Nebengebäude übernehmen, hatte inzwischen aber Zinks Puppensammlung das das Nürnberger Spielzeugmuseum verloren, da man sich mit den Angehörigen Zinks nicht gütlich einigen konnte.

Von da an wuchs das Stadtmuseum beharrlich und bekam bald neue Räume im sogenannten Zieglerbau in der Bahnhofstraße 2 zugewiesen. Nach einer zwischenzeitlichen Auslagerung des Museums an den Kirchplatz konnte das Stadtmuseum einen Großteil des Alten Rathauses und seiner Nebengebäude übernehmen, hatte inzwischen aber Zinks Puppensammlung das das Nürnberger Spielzeugmuseum verloren, da man sich mit den Angehörigen Zinks nicht gütlich einigen konnte.

Die Geschichte der Ausstellung ist eng mit der Vereinsgeschichte der Freunde Sinsheimer Geschichte verknüpft. Sie betreuten und erweiterten die Sammlung und führten nach Zinks Tod das Museum weiter, bis 1990 die Stadt Sinsheim die Einrichtung übernahm. Hatten Zink und die Gründungsmitglieder des Vereins noch wahllos alles in die Sammlung aufgenommen, was ihnen angeboten worden war, so ging man in den 1960er Jahren und besonders ab dem finalen Einzug ins Alte Rathaus um 1975 systematischer vor.

Eine Museumsbibliothek wurde eingerichtet, außerdem eine thematische Aufteilung mit dem gerade entstandenen Friedrich-der-Große-Museum im Lerchennest zu Steinsfurt beschlossen. Die Einrichtung der Ausstellung „Altes Handwerk“ fällt in diese Zeit und die bereits bestehenden Sammlungen zum späten 17. Jahrhundert, dem Alltagsleben im 19. Jahrhundert und der Badischen Revolution wurden neu angelegt. 1983 gelang es, einen Teil von Karl Wilhelmis Sammlung als Dauerleihgabe nach Sinsheim zu holen und eine zeitgemäße Ausstellung der vielen Fundgegenstände einzurichten. Inzwischen war das Museum aber derart gewachsen, dass der Verein dessen Betreuung kaum noch gewährleisten konnte und sich an die Stadtverwaltung wandte.

Zu groß für reines Ehrenamt

Der Gemeinderat erkannte den Wert eines kommunalen Stadtmuseums und versprach Abhilfe. Seit März 1990 wird das Stadtmuseum Sinsheim hauptamtlich geführt. Einer Sichtung und neuerlichen Ordnung der Sammlung folgten dringend notwendig gewordene Sanierungsarbeiten. Immer wieder wurden in Zusammenarbeit mit den Freunden Sinsheimer Geschichte Theaterstücke aufgeführt, in denen verschiedene historische Ereignisse aus der Stadtgeschichte dramatisch nachgespielt wurden. 2002 erhielt das Museum, das sich inzwischen intensiv mit Sinsheims Rolle während der Badischen Revolution 1848/49 beschäftigt, die Auszeichnung „Vorbildliches Heimatmuseum“ im Regierungsbezirk Karlsruhe.

Nach weiteren Sanierungsmaßnahmen im Jahr 2019 und der Modernisierung des Stadtmuseums Sinsheim wurde eine große Sonderausstellungsfläche eingerichtet. Die aufwendigen Theaterstücke wurden durch größere Sonderausstellungen ersetzt. 2021 gelang die Übernahme des Lichdi-Ladens, eines bis dahin wandernden historischen Kolonialwarenladens. Heute wird auf gut 400 m² Dauerausstellungsfläche an jedem Tag der Woche die Geschichte Sinsheims, seiner Teilorte und des nördlichen Kraichgaus von Trias vor über 200 Millionen Jahren bis ins 20. Jahrhundert präsentiert. Dazu kommen jährlich zwei Sonderausstellungen und eine ganze Reihe von Sonderveranstaltungen und Vorträgen, wobei sich das Museum stetig weiterentwickelt.